Autor: Corinne Luca

Winkekatze

Ein dumpfes Klopfen dringt durch den Raum. Den ganzen Winter hat sie stillgestanden. Jetzt steht die Sonne wieder richtig und sie ist aufgewacht. Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen.

Foto: flickr – Yamanaka Tamaki – CC by 2.0

Langsam

Ihr seid mir oft einfach zu schnell. Es ist nicht so, dass ich sie nicht auch spontan hätte, dass es mir schwer fallen würde, eine zu haben, ich nicht verstehen würde, was ihr meint. Aber manchmal möchte ich mir einfach Zeit lassen mit meiner Meinung.

Stecker

Und dann wird dir klar, dass die wahren Lebenshilfe-Experten die Leute vom IT-Support sind, die bei jedem Problem immer erstmal fragen: Hast du schon „ausschalten, kurz warten und dann neu starten“ probiert?

Foto: flickr – James Gray-King – CC by 2.0

Instagram

Kind: „Ist das eine Freundin von dir?“
Ich: „Nein.“
Kind: „Möchtest du, dass sie deine Freundin wird?“
Ich: „Nicht wirklich. Das ist etwas anderes. Ich schaue nur die Bilder an.“
Kind: „Schönes Kleid.“
Ich: „Ja, finde ich auch.“
Kind: „Ist das ihre Küche?“
Ich: „Ja.“
Kind: „Wo wohnen die? Warst du da schonmal?“
Ich: „Nein.“
Kind: „Ist das ihre Tochter?“
Ich: „Ja.“
Kind: „Können wir die mal zum Spielen einladen?“
Ich: „Weißt du, das ist niemand, den wir kennen.“
Kind: „Wieso gucken wir uns dann Fotos von denen an?“

Foto: flickr – Madelinetosh – CC by 2.0

Montag

Eine neue Woche, eingekauft, Kinder hin- und zurück gebracht, Staub gewischt, Spüler ausgeräumt, Wäsche zusammengelegt, Telefonate erledigt, nach Wörtern gerungen, inne gehalten und nachgedacht. Ein guter Tag. Fast.

Stories

Es ist ein Mythos, dass Menschen Geschichten lieben, weil sie der Realität entfliehen wollen. Eigentlich suchen wir in ihnen etwas, was kaum näher an unserer Gegenwart sein könnte: Anworten. Wir wollen sehen, wie sich andere verhalten, wie sie bestehen und wie sie scheitern. Ich fürchte mich davor, dass meine Antworten versiegen, wenn mein erster Geschichtenerzähler die Punkte nicht mehr verbindet.

Foto: flickr – Santi DeFerrol – CC by 2.0

Wellen

“There is nothing staid, nothing settled, in this universe. All is ripling,
all is dancing; all is quickness and triumph.”
Virginia Woolf, The Waves

Foto: flickr – Marc Samsom – CC by 2.0

Zeit

Ganz früh am Morgen steht der Mann mit dem Riesenteddy und den Blumen zwischen Aktentaschen und Schulrucksäcken. Eigentlich ist er einen Tag zu spät. Ist er reuig gleich am frühen Morgen losgelaufen, weil er gestern nicht an Valentin dachte?  Oder tut er das, was gestern alle wollten: Jeden Tag an den anderen denken, egal, was das Datum sagt?

Foto: flickr – Pati – CC by 2.0

Lichterkette

Draußen hängt immer noch die Weihnachtslichterkette obwohl der Kalender Mitte Februar zeigt. Es passt zu diesem Zwischen, dem Eis auf den Autos, dem Schnee, der gestern noch lag. Als wollte das Jahr nicht anfangen, der Frühling keinen Neuanfang bringen. Es passt, weil alles verhaftet ist im Gestern gerade – in der Zeit, in der die Dinge in Ordnung schienen, klarer waren und weniger angsteinflößend. Dabei war man auch dort unzufrieden, unglücklich manchmal sogar. Jetzt schämt man sich dafür, so zurückgeworfen auf die Angst. Und wünscht sich, dass das Eis und der Schnee geht. Und der Frühling das tut, was er immer tut: Neues bringen, Buntes, Fröhlicheres. Bis es soweit ist leuchtet die Lichterkette gegen die Dunkelheit und auch gegen die ersten Sonnenstrahlen. Wie wenn sie sagen will, ich bleibe hier – bis du sicher sein kannst, dass es gut ist.

Foto: flickr – Kari Nousiainen – CC by 2.0